Regional vegan: Vom Schweinestall zur Tempeh-Produktion – Interview mit Hannes Weichhart von Zack die Bohne

Regional vegan: Vom Schweinestall zur Tempeh-Produktion – Interview mit Hannes Weichhart von Zack die Bohne

12.02.2024

Ein niederösterreichisches Unternehmen zeigt, wie die Proteinwende in der Praxis umgesetzt werden kann. Wo früher Schweine gehalten wurden, wird jetzt Tempeh – ein fermentiertes Sojaprodukt – produziert. Wir haben uns mit Hannes Weichhart, dem Gründer von Zack die Bohne Bio Tempeh, über seine Beweggründe und sein absolutes Lieblingsrezept unterhalten.

Unternehmensgründer Hannes Weichhart präsentiert frisch gebratene Tempeh-Würfel in einer Pfanne
Unternehmensgründer Hannes Weichhart | Alle Fotos © Erlebensmittel GmbH

Vielen Dank, dass du dir für ein Interview Zeit nimmst! Erzähl doch mal: Wie ist es dazu gekommen, dass du dich selbständig gemacht und ein Unternehmen gegründet hast?

Der Auslöser war, dass meine Frau und ich beschlossen haben, einen Monat lang vegan zu essen. Ich wollte einfach selbst erleben, wie sich das anfühlt. In dieser Zeit hat sich viel verändert: Ich habe gemerkt, dass mir Fleisch eigentlich gar nicht fehlt, und damit begonnen, verschiedenste pflanzliche Alternativen zu probieren. Dabei bin ich auf Tempeh gestoßen – damals ein deutsches Produkt – und das hat mich sofort neugierig gemacht.

Zu der Zeit war ich noch bei einem großen österreichischen Mineralölkonzern beschäftigt. Ich mochte meinen Job, aber Leidenschaft war keine dabei. Mit der Zeit habe ich gespürt, dass ich etwas tun möchte, das wirklich Sinn macht und zu meinen Werten passt. Also habe ich begonnen, mich intensiver mit Tempeh zu beschäftigen – zuerst aus Interesse, dann aus Begeisterung. Daraus ist mit der Zeit eine Idee und schließlich eine Entscheidung geworden: Nach rund einem Jahr habe ich meinen alten Job hinter mir gelassen und bin voll in die Tempeh-Welt eingetaucht.

Wie sind dann deine Geschäftspartner:innen Stefan und Heidrun Zanini dazugestoßen?

Wir waren damals auf der Suche nach einer passenden Produktionsstätte, weil noch nicht klar war, ob wir das Projekt direkt am Bauernhof umsetzen können. Durch meinen Schwiegervater habe ich den Kontakt zu Stefan bekommen. Er ist jemand, der gerne Menschen unterstützt und als Geschäftsführer viele Jahre Erfahrung in einem mittelständischen Unternehmen hat.

Damals habe ihm Tempeh gezeigt und erzählt, was ich vorhabe. Zwei Tage später hat er mich angerufen, dass er so etwas in all seinen Berufsjahren noch nie gesehen hat und gemeinsam mit seiner Frau Heidrun mehr darüber erfahren will. Wir haben uns dann getroffen und es hat menschlich einfach sofort gepasst. Beide waren vom ersten Moment an begeistert von der Idee und so ist schließlich unsere gemeinsame Gründung entstanden.

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Der alte Stall, in dem früher Schweine gehalten wurden, wurde komplett entkernt und saniert.
In den modernen Produktionsräumlichkeiten wird Tempeh – ein regionales pflanzliches Lebensmittel mit Zukunft – hergestellt.

Früher Schweinestall, jetzt Produktion von veganen Lebensmitteln – Hannes, was genau stellst du her und was liegt dir dabei besonders am Herzen?

Ich finde die Frage schön, weil sie zeigt, wie sich Dinge verändern können. Wir produzieren heute auf dem ehemaligen Bauernhof meiner Familie, der seit rund 1750 besteht. Früher gab es hier Schweine und heute entsteht im selben Gebäude ein regionales, pflanzliches Lebensmittel mit Zukunft. Wir haben den alten Stall komplett entkernt und in eine moderne Lebensmittelproduktion mit modularen, erweiterbaren Räumen verwandelt. Dabei war es uns wichtig, von Anfang an nachhaltig zu denken: Wir arbeiten mit Energierückgewinnung, Photovoltaik und effizienter Kühltechnik.

Das Besondere ist aber nicht nur die Technik, sondern der Kreislauf dahinter: Unsere Bio-Sojabohnen werden in Niederösterreich angebaut, in der Sojamühle bei St. Pölten geschält und gereinigt und direkt hier am Standort zu Tempeh verarbeitet. Das heißt, die gesamte Wertschöpfung bleibt in der Region. Mir liegt vor allem am Herzen, dass alle Beteiligten profitieren: der Landwirt, der hochwertige Bohnen anbaut, wir als Verarbeiter und am Ende die Menschen, die Tempeh genießen – ob zu Hause oder in der Gemeinschaftsverpflegung.

Für alle, die das Produkt noch nicht kennen: Was genau ist Tempeh und was ist das Besondere daran? Und wie ist dein Interesse daran entstanden?

Tempeh ist ein fermentiertes Sojaprodukt mit leicht nussigem Geschmack. Es stammt ursprünglich aus Indonesien und wird dort schon seit Jahrhunderten gegessen. Wir waren selbst in Indonesien, um Tempeh vor Ort kennenzulernen und zu verstehen, wie es traditionell hergestellt wird. Das Besondere an Tempeh ist seine Einfachheit. Es besteht aus nur drei Zutaten, ist komplett regional herstellbar, nicht hoch verarbeitet und dabei voller Geschmack und vielseitig einsetzbar.

Mein Interesse ist entstanden, weil ich mit vielen pflanzlichen Ersatzprodukten im Supermarkt unzufrieden war – zu stark verarbeitet, zu viele Zusatzstoffe, oft auch wenig Geschmack. Tempeh ist das genaue Gegenteil davon und selbst Menschen, die sonst gerne Fleisch essen, sind überrascht, wie gut Tempeh schmeckt.

Die Unternehmer:innen Hannes Weichhart, Heidrun und Stefan Zanini
Die Unternehmer:innen hinter Zack die Bohne Bio Tempeh: Hannes Weichhart, Heidrun und Stefan Zanini (v. l.)

Wo können eure Produkte gekauft oder gekostet werden?

Unser Fokus liegt klar im Bereich B2B – also in der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung, speziell in Großküchen. Wir sind österreichweit über Transgourmet gelistet und verfügen über eine eigene Tiefkühllogistik, die eine zuverlässige Belieferung ermöglicht. Auch bei Metro St. Pölten sind wir für die Gastrozustellung gelistet.

Endkundinnen und Endkunden finden unseren Tempeh in unseren vier Regionalläden Das Dirndl – Dein Regionalladen in St. Pölten, Laab im Walde und St. Christophen in 200-Gramm-Packungen im Tiefkühlregal.

Darüber hinaus sind wir regelmäßig in Betrieben unterwegs, um Tempeh vorzustellen, zu verkosten und gemeinsam neue Gerichte zu entwickeln. Gerade in der Gemeinschaftsverpflegung unterstützen wir Küchen mit Rezeptideen und Schulungen, damit Tempeh dort wirklich seinen Platz findet.

Gerichte mit Tempeh: ein belegtes Kornstangerl, Spätzle mit Paprikasauce und Tempeh auf gerösteten Marillen
Mit Tempeh lassen sich verschiedenste Gerichte zaubern: ein schnelles belegtes Weckerl für die Jause, klassische Hausmannskost oder auch Süßspeisen.

Man merkt dir deine Begeisterung für Tempeh an – was ist dein Lieblingsrezept?

Mein absoluter Klassiker ist Tempeh in Paprikasauce mit Spätzle – das ist für mich richtiges Wohlfühlessen. Wenn es schnell gehen muss, mag ich Tempeh ganz einfach: leicht geölt, goldbraun geröstet und danach nur ein bisschen gesalzen – perfekt als Topping auf einer Bowl. Dieses leicht nussige Aroma passt einfach überall dazu.

Und wenn es einmal süß sein darf, dann liebe ich karamellisierten Tempeh mit einem schönen Crunch obendrauf. Das ist ein richtig guter süßer Proteinsnack – einfach, überraschend und unglaublich gut.

    Du hast es dir zum Ziel gesetzt, Tempeh allgemein bekannter zu machen, und zielst besonders auf die Gemeinschaftsverpflegung ab – warum?

    In Österreich werden in Spitälern, Schulen, Betrieben oder Pflegeeinrichtungen jeden Tag rund 2,5 Millionen Mahlzeiten gekocht. Durch meine Geschäftspartner, die selbst aus dieser Branche kommen, war für mich schnell klar, dass Tempeh genau hier seinen Platz haben sollte. Deshalb ist unser Tempeh nicht für den klassischen Supermarkt gedacht, sondern für die Profiküche.

    Wir produzieren ihn tiefgekühlt, weil pasteurisierte Produkte – wie sie im Handel üblich sind – geschmacklich und von der Konsistenz her einfach nicht an frischen Tempeh herankommen. Zudem ist unser Tempeh bereits gewürfelt und einzeln entnehmbar. Das ist für Küchenbetriebe ideal, weil kein Schwund entsteht und die Handhabung einfach ist. Gerade in Großküchen mit mehreren tausend Essen am Tag zählt jede Minute – da braucht es Produkte, die praktisch, vielseitig und verlässlich sind.

    Sojabohnen im Glas, geröstete Tempeh-Würfel und ein fertig zubereiteter Burger
    Von der Sojabohne über Tempeh-Würfel bis zum Burger-Patty

    Gibt es schon Pläne für die Zukunft?

    Ja, auf jeden Fall! Ein großes Thema ist die Erweiterung unserer Produktion. Die Nachfrage wächst und wir möchten langfristig in der Lage sein, noch mehr Betriebe mit unserem Tempeh zu beliefern. Viele fragen mich auch, ob es unseren Tempeh einmal im Supermarkt geben wird. Das ist geplant, aber nicht als klassisches Grundprodukt, sondern in Form von hochwertigen, fertigen Gerichten. Also als echte Convenience-Produkte, die trotzdem unseren Qualitätsanspruch widerspiegeln, etwa in Form eines rustikal gefüllten Tempeh-Kartoffelknödels oder als Tempeh-Burger-Patty. Und ich bin gespannt, welche Kooperationen und Partnerschaften sich in Zukunft noch ergeben!

    Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg, lieber Hannes!

     

    Hannes Weichhart ist Gründer und Geschäftsführer der Erlebensmittel GmbH mit Sitz in St. Pölten (Niederösterreich). Unter der Marke Zack die Bohne Bio Tempeh produziert er hochwertiges, regionales Tempeh aus österreichischen Bio-Sojabohnen. Sein Ziel ist es, Tempeh in Österreich bekannt zu machen und als nachhaltige, pflanzliche Eiweißquelle zu etablieren.
    zackdiebohne.at

     

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