EU-Parlament stimmt für Veggie-Burger-Verbot

EU-Parlament stimmt für Veggie-Burger-Verbot

08.10.2025

Eigentlich war alles schon lang entschieden: Das EU-Parlament hat sich bereits im Jahr 2020 gegen ein Verbot von Begriffen wie „Veggie-Burger“ ausgesprochen. 2024 folgte ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), laut dem vegetarische Würste auch „Würste“ heißen dürfen – nachzulesen in unserem Artikel zum Urteil. Vor dem Sommer 2025 starteten erneut erste Initiativen für ein Verbot. Am 08.10.2025 stimmte das Plenum des EU-Parlaments mit den Stimmen aller FPÖ-Abgeordneten für ein weitreichendes Verbot von Wörtern wie „Burger“, „Steak“, „Schnitzel“ oder „Würstel“. Der Ball liegt nun bei der Kommission und der Rat der EU-Agrarminister:innen wird das letzte Wort haben. Es kann noch Monate dauern, bis der genaue Wortlaut des Gesetzes beschlossen wird. Der österreichische Agrarminister Norbert Totschnig hat sich im Rat zwar für eine Regelung ausgesprochen, aber wie er letztendlich abstimmen wird, bleibt offen.

ein Burger-Patty und eine Wurst mit veganer Kennzeichnung und menschlichen Attributen sind traurig und erschrocken, weil daneben ein Schild mit der durchgestrichenen Aufschrift "Veggie-Burger" und dem Schriftzug "ÖVP" zu sehen ist

Die Sachlage ist eindeutig

Aus juristischer Sicht hat der EuGH entschieden, dass die momentane FIC-Verordnung (Food Information to Consumers) ausreichend ist (EuGH 2024). Auch die Kommission sieht keinen Bedarf für eine neue Regelung (Antworten auf Anfragen an die Europäische Kommission 2025, 2022, 2020).

Der Europäische Verbraucherverband (BEUC) ist die höchste Konsument:innenschutzbehörde der EU und gegen ein Verbot, weil keine Notwendigkeit dafür besteht. Zudem hat eine Umfrage ergeben, dass 80 % der Menschen in der EU die Verwendung von traditionellen Begriffen gut und hilfreich finden (BEUC 2020). Das konnte auch durch eine österreichische Umfrage bestätigt werden (Rewe International 2020). Hinzu kommt, dass der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in den vergangenen 15 Jahren keine einzige Beschwerde erhielt, dass jemand irrtümlich einen pflanzlichen Burger gegessen hat.

Aus wirtschaftlicher Sicht würde eine neue Regelung den bürokratischen Aufwand für Unternehmen erhöhen, Kosten verursachen, weil bestehende Verkaufsbezeichnungen geändert werden müssten, und letztendlich den Binnenmarkt schwächen. Das widerspricht der EU-Agenda der Simplifizierung. Da die Bedeutung von Begriffen je nach Land variiert, könnte die Einführung von gemeinsamen Regeln zu diversen länderspezifischen Ausnahmen führen.

Jedes Kind weiß, dass eine Sojawurst kein Fleisch enthält und ein veganes Steak rein pflanzlich ist. Werden bald auch die Begriffe Sonnenmilch oder Fleischtomaten verboten?

Die politischen Tricksereien der Verbotsfraktion

Da das Argument der Täuschung von Konsument:innen keine faktische Grundlage hat, würde es bei den nationalen Minister:innen und bei den EU-Abgeordneten für Konsument:innenschutz keine Mehrheit finden. Deshalb wird versucht, das Verbot als kleinen Absatz in das riesige Gesamtpaket der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) einzubauen, über das der Agrar-Unterausschuss des EU-Parlaments berät und das der EU-Agrarminister:innenrat beschließt.

Seit Kurzem ist es im EU-Parlament auch schwieriger zu beantragen, einzelne Teilbereiche eines Pakets getrennt abzustimmen. Das erschwert in diesem Fall auch die Situation.

Wie geht es weiter?

Von einer französischen Abgeordneten aus der Schwester-Partei der ÖVP wurde das Thema auf die Agenda im EU-Parlament gebracht, wo es leider im Unterausschuss des Parlaments durchgewunken wurde – Der Standard hat berichtet und mit einem Kommentar aufmerksam gemacht. Die Abstimmung im Plenum fand am 08.10.2025 statt und der Antrag wurde mit 355 Stimmen dafür, 247 Stimmen dagegen und 30 Enthaltungen angenommen (siehe Abstimmungsergebnisse S. 62).

Wie haben die österreichischen Abgeordneten abgestimmt? Die FPÖ war geschlossen für ein Verbot der Worte „Burger“ und Co, die Grünen, SPÖ und NEOS waren dagegen. Die ÖVP war uneinig – es gab Stimmen dafür, dagegen und Enthaltungen.

Diagramm, dass SPÖ, Grüne und NEOS gegen das Verbot, FPÖ dafür und ÖVP unterschiedlich abgestimmt haben

Im Vorfeld dazu hat die EU-Kommission am 17.07.2025 mit dem Entwurf einer roten Liste mit 29 Wörtern aufhorchen lassen. Nun wird der Antrag des Parlaments in den Entwurf der Kommission eingearbeitet, also deutlich verschlechtert. Der genaue Wortlaut wird erst in Monaten stehen. Der Rat der EU-Agrarminister:innen hat das letzte Wort.

In den vergangenen Jahren haben wir uns erfolgreich dafür eingesetzt, dass dies nicht Realität wird: Im Herbst 2020 konnten wir in einem Artikel berichten, dass das Verbot abgewendet wurde. Als Vegane Gesellschaft Österreich vertreten wir weiterhin die Position, dass alle Bezeichnungen verwendet werden dürfen, sofern der pflanzliche Charakter eines Produkts erkennbar ist.

Wir appellieren an die Regierungsparteien, dass Österreich im Minister:innenrat offiziell nicht für ein Verbot stimmt. Zudem fordern wir den Minister auf, dass er seine Position im Sinne des Konsument:innenschutzes nochmals überdenkt. Wir haben schon einige Gespräche geführt und planen, unsere Petition vor der Abstimmung im Rat an Bundesminister Norbert Totschnig zu übergeben.

Helfen Sie uns jetzt mit Ihrer Unterschrift und unterschreiben Sie die Petition: Retten wir den Veggie-Burger!

Quellen

Antwort auf Anfrage E-002312/2024 an die Europäische Kommission vom 27.03.2025. www.europarl.europa.eu/doceo/document/E-10-2024-002312-ASW_EN.html (abgerufen am 25.06.2025).

Antwort auf Anfrage E-002681/2022 an die Europäische Kommission vom 24.08.2022. www.europarl.europa.eu/doceo/document/E-9-2022-002681-ASW_EN.html (abgerufen am 25.06.2025).

Antwort auf Anfrage E-004966/2020 an die Europäische Kommission vom 26.11.2020. www.europarl.europa.eu/doceo/document/E-9-2020-004966-ASW_EN.html (abgerufen am 25.06.2025).

BEUC: One bite at a time. Consumers and the transition to sustainable food, 2020. www.beuc.eu/sites/default/files/publications/beuc-x-2020-042_consumers_and_the_transition_to_sustainable_food.pdf (abgerufen am 25.06.2025).

Céline Imart: Proposal for a Regulation. Article 1 – paragraph 1 – point 8 a (new) Regulation (EU) No 1308/2013. In: Amendments 25–685, 14.05.2025. Seite 371. www.europarl.europa.eu/doceo/document/AGRI-AM-773314_EN.pdf (abgerufen am 17.09.2025).

EuGH, Urt. v. 04.10.2024, C-438/23, Protéines France, Union végétarienne européenne (EVU), Association végétarienne de France (AVF), Beyond Meat Inc. Gegen Ministre de l’Économie, des Finances et de la Souveraineté industrielle et numérique, Beteiligte: 77 Foods SAS, Les Nouveaux Fermiers SAS, Umiami SAS, NxtFood SAS, Nutrition et santé SAS, Olga SAS, ECLI:EU:C:2024:826. eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=CELEX:62023CJ0438 (abgerufen am 25.06.2025).

Europäisches Parlament: Abstimmungsergebnisse vom 08.10.2025. www.europarl.europa.eu/doceo/document/PV-10-2025-10-08-RCV_FR.pdf (abgerufen am 08.10.2025).

Rewe International. 2023. Bezeichnungsschutz bei veganen Artikeln (Private Resource).

Berichterstattung

Burtscher, Iris: Braucht der Veggie-Burger einen neuen Namen? In: Salzburger Nachrichten. 24.06.2025. www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/braucht-veggie-burger-namen-180359650 (abgerufen am 08.10.2025).

Der Standard: EU-Parlament will Bezeichnung Veggie-„Burger“ verbieten. In: derstandard.at. 08.10.2025. www.derstandard.at/story/3100000291132/eu-parlament-will-bezeichnung-veggie-burger-verbieten (abgerufen am 09.10.2025).

Hinterkörner-Zauner, Gabi: Warum soll ein pflanzliches Würstel, Würstel heißen, Herr Hnat? In: Cash. 23.06.2025. www.cash.at/handel/news/zwischenfrage-warum-soll-ein-pflanzliches-wuerstel-wuerstel-heissen-herr-hnat-33408 (abgerufen am 08.10.2025).

Kainrath, Verena: Bratrolle statt Würstel? Dann auch Leberkäse und Fleischtomate verbieten. In: derstandard.at. 12.09.2025. www.derstandard.at/story/3000000287359/bratrolle-statt-wuerstel-dann-auch-leberkaese-und-fleischtomate-verbieten (abgerufen am 17.09.2025).

Kainrath, Verena: Verbot für Veggie-Burger? Für vegane Schnitzel geht es um die Wurst. In: derstandard.at. 10.09.2025. www.derstandard.at/story/3000000287126/verbot-fuer-veggie-burger-fuer-vegane-schnitzel-geht-es-um-die-wurst (abgerufen am 17.09.2025).

Krone.at: EU: Wenn es nicht muht, darf es kein Burger werden. In: Krone. 20.06.2025. www.krone.at/3818716 (abgerufen am 08.10.2025).

ORF.at: EU-Parlament: Es geht um die „Veggie“-Wurst. In: ORF.at. 08.10.2025. orf.at/stories/3407545/ (abgerufen am 09.10.2025).

ORF.at: „Veggie-Wurst“: EU-Parlament für Namensverbot. In: ORF.at. 08.10.2025. orf.at/stories/3407739/ (abgerufen am 09.10.2025).

Reich, Martin: Schnitzel bleibt Schnitzel – auch ohne Fleisch. In: diepresse.com. 06.10.2025. www.diepresse.com/20174307/schnitzel-bleibt-schnitzel-auch-ohne-fleisch (abgerufen am 09.10.2025).