Frauen in der veganen Bewegung
Frauen in der veganen Bewegung
Seit 1911 erinnert der Internationale Frauentag – auch Weltfrauentag oder Frauenkampftag – jährlich im März an den kollektiven Widerstand von Frauen. Seit 1921 findet er am 8. März statt und symbolisiert den jahrzehntelangen Kampf für Gleichberechtigung. Im Zentrum stehen heute die Forderungen, den Gender-Pay-Gap zu schließen, Care-Arbeit gerecht zu verteilen und körperliche Selbstbestimmung zu ermöglichen.
Die Ursprünge des Frauentags liegen jedoch im Kampf um das Frauenwahlrecht, das in Österreich erst 1918 eingeführt wurde. In der Schweiz dürfen Frauen erst seit 1971 auf Bundesebene wählen und erlangten erst dadurch ihre vollen Bürgerinnenrechte.
Mitte des 20. Jahrhunderts schloss sich die feministische Gleichstellungsbewegung mit anderen Bewegungen zusammen, so auch mit der Veganismus- und Tierschutzbewegung. Für viele Aktivistinnen war der Verzicht auf Fleisch oder sogar auf alle tierischen Produkte keine private Entscheidung, sondern ein Ausdruck derselben Haltung, die sie auf die Straße trieb: Widerstand gegen Gewalt und Ausbeutung.
> Mehr lesen: Intersektionalität: Diskriminierung kommt selten allein
Obwohl der Frauenanteil unter den Veganer:innen europaweit bei etwa 70 Prozent liegt, sind es oft Männer, die als Leitfiguren und Experten angesehen werden. Anlässlich des Weltfrauentags stellen wir daher beeindruckende Frauen in den Mittelpunkt, die für eine gerechtere Welt für Menschen, Tiere und Umwelt kämpfen und die vegane Bewegung maßgeblich geprägt haben. Übrigens: Bereits 2003 berichtete die Vegane Gesellschaft in der 7. Ausgabe des VEGAN.AT-Magazins über den Vegetarismus als feministischen Widerstand!
Frauen im Portrait
International

Foto: Wikipedia
Elsie Shrigley – Gründungsmitglied der Vegan Society
Die Engländerin Elsie Beatrice Shrigley (1899–1978) war Mitbegründerin der Vegan Society und eine zentrale Figur der frühen veganen Bewegung, wie wir sie heute kennen. Bereits 1934 wurde sie zur Vegetarierin, nach 1944 strich sie auch Milchprodukte von ihrem Speiseplan. Als langjähriges Mitglied der Vegetarian Society schlug sie gemeinsam mit Donald Watson daraufhin vor, eine „non-dairy section“ innerhalb der Organisation zu gründen. Als die Idee abgewiesen wurde, gründete sie mit Watson noch im selben Jahr die Vegan Society und prägte den organisierten Veganismus entscheidend. Häufig wird sie mit der Entstehung des Begriffs „vegan“ in Verbindung gebracht, der sich aus den ersten drei und den letzten beiden Buchstaben von „vegetarian“ zusammensetzt.

Foto: Melanie Joy
Prof. Dr. Melanie Joy – Psychologin und Autorin
Bekannt wurde die promovierte Sozialpsychologin Melanie Joy durch ihre einflussreiche Arbeit zu dem von ihr geprägten Begriff des Karnismus. In ihrem Bestseller „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“ (2010) untersucht die Autorin die komplexen psychologischen Abwehrmechanismen, die Menschen dazu bringen, manche Tiere als Freund:innen und andere als Nahrung zu betrachten.
Seit über 30 Jahren engagiert sich die Professorin und Harvard-Absolventin in der Tierrechtsbewegung und berät Aktivist:innen auf der ganzen Welt zu Themen wie der effektiven Interessensvertretung, der gewaltfreien Kommunikation und Strategien für den gesellschaftlichen Wandel.
> VEGAN.AT-Shop: Bücher von Dr. Melanie Joy

© Carol J. Adams
Carol J. Adams – Autorin und Tierrechtsaktivistin
Seit Jahrzehnten beschäftigt sich die renommierte Ökofeministin Carol J. Adams mit der Frage, wie Speziesismus und Sexismus zusammenhängen. In ihrem bahnbrechenden ersten Buch „The Sexual Politics of Meat“ (1990) argumentiert sie, dass die gesellschaftliche Abwertung von nichtmenschlichen Tieren und Frauen auf derselben Logik aufbaut. Seither verfasste Adams über 20 weitere Bücher und unzählige Artikel.
Schon vor der Veröffentlichung des damals kontrovers rezipierten Romans setzte sich Adams für soziale Gerechtigkeit ein und kämpfte gegen häusliche Gewalt, Rassismus und Obdachlosigkeit. Heute betätigt sie sich weiterhin aktivistisch und besucht Universitäten, hält Lehrveranstaltungen und verfasst Bücher.
> Mehr lesen: Rezension „The Sexual Politics of Meat“

© Oregon State University
Angela Davis – Bürgerrechtsaktivistin
Die 1944 geborene US-Amerikanerin Angela Davis setzt sich seit Jahrzehnten gegen die Unterdrückung von Schwarzen, Frauen und Personen aus der LGBTQ+-Community ein. Weniger bekannt ist sie für ihr Engagement für den Veganismus, obwohl sie selbst seit langem vegan lebt.
2012 sprach sie in einem Interview erstmals über ihre Beweggründe: „Normalerweise erwähne ich nicht, dass ich vegan lebe, aber das hat sich geändert. Ich denke, es ist der richtige Zeitpunkt, darüber zu sprechen, denn es ist Teil einer revolutionären Perspektive: Wie können wir nicht nur ein mitfühlenderes Verhältnis zu anderen Menschen entwickeln, sondern auch zu den anderen Lebewesen, mit denen wir diesen Planeten teilen? Das würde bedeuten, die gesamte kapitalistische und industrielle Form der Lebensmittelproduktion in Frage zu stellen.“
In Österreich

© Vegane Gesellschaft Österreich
Paula Stibbe – Gründungsmitglied der Veganen Gesellschaft Österreich
Entsetzt davon, wie Tiere behandelt werden, stellte Paula Stibbe ihre Ernährung mehr oder weniger über Nacht um. Vegetarisch zu werden war in den 90ern zwar schon relativ einfach, vegan war jedoch noch ein Fremdwort. Um dem entgegenzuwirken, war Stibbe 1999 maßgeblich an der Gründung der Veganen Gesellschaft Österreich beteiligt. Sie brachte die Idee des Veganismus aus England mit, wo der vegane Gedanke bereits weiter verbreitet war. Dank ihrer Arbeit ist aus der kleinen Gruppe an Menschen, die sich mittlerweile seit Jahrzehnten für die Tiere einsetzen, eine breite Bewegung entstanden.
Seither hat sich viel getan, erzählt sie im Interview: „Einer der größten Unterschiede ist, dass den Menschen endlich der Zusammenhang zwischen Tierprodukten und Umweltproblemen klar wird. Aus der Medienberichterstattung, der Unternehmenszusammenarbeit und der akademischen Welt wird deutlich, dass die Vegane Gesellschaft zu einer vertrauenswürdigen Ansprechpartnerin geworden ist.“
> Mehr lesen: Interview mit Paula Stibbe und Felix Hnat zum 20. Jubiläum der Veganen Gesellschaft
Die heutigen Erfolge der Veganen Gesellschaft Österreich sind Paula Stibbe, aber insbesondere auch den Frauen im Team zu danken, die sich täglich für eine pflanzliche Zukunft einsetzen. 20 Mitarbeiterinnen arbeiten heute in den diversen Tätigkeitsbereichen des Vereins: von Fundraising und Eventorganisation über die V-Label-Zertifizierung und Vegucation-Projektleitung bis zur redaktionellen Arbeit online und für das VEGAN.AT-Magazin.
Laura Wenzel – Internationale Koordinatorin von Plant-Based Universities
Die Initiative Plant-Based Universities wurde 2021 an drei englischen Universitäten gegründet und setzt sich seither für eine nachhaltige pflanzliche Ernährung an Hochschulen ein. Mittlerweile fordern Studierende in 12 Ländern und 82 Universitäten eine gesunde und klimagerechte Ernährung an wissenschaftlichen Institutionen.
Seit Laura Wenzel die Kampagne 2023 an der Universität Graz ins Rollen brachte, gibt es wöchentliche Infostände und regelmäßige Gespräche mit Stakeholder:innen wie der ÖH und dem Rektor der Hochschule. Das Engagement führte zu großen Erfolgen: Inzwischen gibt es nicht nur einen pflanzlichen Heißgetränkeautomaten, sondern auch eine rein vegane Mensa in der steirischen Hauptstadt.
Seit September 2025 ist Laura Wenzel für die internationale Koordination zuständig und kämpft gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Sophie weiterhin für eine Ernährungswende an den Universitäten zugunsten zukünftiger Generationen.
> Mehr lesen: Plant-Based Universities im Interview

© Patrick Weichmann & Melanie Kröpfl
Melanie Kröpfl – Konditorin und Kochbuchautorin
2015 gründete die Wienerin Melanie Kröpfl die „NomNom Bakery“, die erste vegane Konditorei Österreichs. Gemeinsam mit ihrem Vater und Haubenkoch Siegfried Kröpfl veröffentlichte sie bereits 2014 ein Backbuch, das bei den Gourmand World Cookbook Awards zum besten veganen Kochbuch weltweit ausgezeichnet wurde. Seit 2019 bietet sie unter „NomNom by Melli“ Backkurse und Torten auf Bestellung an.
Federführend ist sie auch im Rahmen des multilateralen Vegucation-Projekts, das eine rein pflanzliche Kochausbildung an berufsbildenden Schulen ermöglicht. Gemeinsam mit ihrer Schwester Sandra leitet sie seit Jahren den Desserttag bei der Zusatzausbildung für Köch:innen. Das Unterrichten ist für sie immer wieder ein Highlight: „Wenn die pflanzliche Küche in Schulen gelehrt wird, sprechen wir von einer ganz anderen Reichweite als ‚nur‘ in privaten Backkursen.“
> Mehr lesen: Melanie Kröpfl im Interview

© BILLA, Mark Harson
Verena Wiederkehr – Head of Plant-based Business Development bei BILLA
Seit 2022 ist Verena Wiederkehr für die Geschäftsentwicklung des rein pflanzlichen Sortiments bei BILLA verantwortlich. Das Vorzeigeprojekt ihres Category-Management-Teams ist die rein pflanzliche Filiale BILLA Pflanzilla auf der Wiener Mariahilfer Straße. Darüber hinaus ist sie Vorstandsmitglied beim Verein für Proteinvielfalt in Österreich.
Über ihre Motivation erzählt Verena Wiederkehr: „Meinen beruflichen Werdegang habe ich in der Maschinenbaubranche begonnen. Doch der Wunsch, mit meinem täglichen Handeln eine positive Wirkung zu erzielen, wuchs stetig. Mir ist es wichtig, meine Werte und Haltung aktiv im Beruf zu leben und meine Expertise in eine Organisation einzubringen, die dieses Wissen nutzt, um echte Veränderungen zu bewirken. Es begeistert mich, das Thema Plant-based gemeinsam mit engagierten Kolleginnen und Kollegen voranzutreiben.“
Vegane und feministische Frauen in der Geschichte

Foto: Wikipedia
Sophie Zaïkowska – Feministin und Ökoanarchistin
Die aus Litauen stammende Sophie Zaïkowska (1874–1939) war in Frankreich zwischen den beiden Weltkriegen eine der wichtigsten Vertreter:innen einer veganen Lebensweise und eine aktive Propagandistin im anarchistischen Lager. Sie leitete ein veganes Restaurant, war Mitherausgeberin eines Buchs über die vegane Lebensweise und lebte mit ihrem Lebenspartner zeitweilig in einer veganen Kommune in Frankreich. Zudem verfasste sie den Beitrag über Veganismus („Végétalisme“) für die von Sébastien Faure herausgegebene „Encyclopedie Anarchiste“.
> Mehr lesen: Sophie Zaïkowska: Vegane Vorkämpferin in Frankreich
Informationen über weitere inspirierende Frauen
Food Revolte: Frauenwahlrecht und Veganismus verbindet mehr, als wir denken
Vegan Feminist Network: Vegan Feminist History (englisch)
Leah Leneman: Vegetarianism and the women’s suffrage movement in Britain (englisch)
Buchempfehlungen
Anna-Lena Klapp: Food Revolte. Ein vegan-feministisches Manifest
Melanie Joy: Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen
Carol J. Adams: The Sexual Politics of Meat
Online-Vortrag zur Nachschau
Feministische Perspektiven auf die vegane Bewegung mit Ernährungswissenschafterin und Autorin Anna-Lena Klapp


